Spielerportraits

Hier findest du die Portraits von unterschiedlichen Spielern, die auf dem Feld aufeinander treffen sowie ausführlichere Berichte von neuen Athleten

Name: Jeremy Jenal

Unfall/ Krankheit: Skiunfall (Freestyle)

Im Rugby seit: März 2011

Vier Wochen nach meinem Unfall gab mir mein Physiotherapeut den Rat, ein Training der Rollstuhlrugbymannschaft von Nottwil anzusehen, das war das erste Mal, dass ich mit Rugby in Kontakt gekommen bin. Anfangs wollte ich nichts davon wissen ein Schnuppertraining zu absolvieren, da ich mir nicht vorstellen konnte, jemals wieder stark genug zu sein, um mit den anderen Spielern mitzuhalten. Schliesslich entschied ich mich, es trotzdem einmal zu versuchen. Nach dem Training war ich von diesem Sport und dem Zusammenhalt des Teams begeistert, dass ich mich entschloss weiter zu trainieren.

Name: Roger Suter

Unfall/ Krankheit: Autounfall

Im Rugby seit: 1993

Ich bin 1993 auf Grund eines Berichtes im Parakontakt zum Rugby gekommen. In diesem Bericht wurde eine neue Sportart vorgestellt und auf ein Demonstrationstraining hingewiesen. Ich besuchte also dieses Training und danach wusste ich, das ist meine neue Sportart. Die Sportart faszinierte mich, sie gab mir alles was ich bis dahin suchte, Teamgeist, Schnelligkeit, Taktik und Spass. Seit diesem Zeitpunkt spiele ich Rollstuhl-Rugby mit Leidenschaft. Turniere und Reisen waren nun ein fester Bestandteil meines Lebens. In all den Jahren brachte mich Rugby beinahe rund um den Globus, ich lernte andere Kulturen und andere Menschen kennen und besuchte die grössten Turniere der Welt. Das Highlight war im Jahr 2000 die Paralympics in Sydney. Das Eröffnungsspiel Schweiz-USA spielten wir vor 10‘000 Zuschauern im ausverkauften Dome.

Name: Edwin Ramirez

Unfall/ Krankheit: Cerebral- Parese

Im Rugby seit: 2008


Ein lauter Knall erfüllt die Turnhalle in der Sportanlage Fronwald. Es ist nicht der erste und es wird auch nicht der letzte sein. Die Spieler rasen mit viel Geschick und Geschwindigkeit hin und her, während ich an der Seitenlinie zuschaue. Das ist also Rollstuhl-Rugby! Ich war einige Tage davor auf der Suche nach einem Rollstuhlsport, den ich gerne ausüben wollte. Ich habe seit einigen Monaten damit angefangen meine Kondition durch regelmässige Touren durch die Stadt Zürich aufzubauen und war auf der Suche nach etwas neuem. Auf der Homepage des RCZ finde ich einen Abschnitt über das Rugby und bin neugierig.

Als ich den Blue-White Eagles beim trainieren zuschaue, wird mir klar: Das will ich machen! Eine Woche später sitze ich das erste Mal selber in einem Rugby-Stuhl. Das ist nun sechs Jahre her.
Verantwortlich für meine Cerebral-Parese ist meine Frühgeburt um drei Monate. Durch Sauerstoffmangel stirbt ein Teil meines Hirnes ab. Dies zeigt sich später darin, dass ich meine Arme und Beine nicht ganz durchstrecken kann, sowie Koordinationsschwierigkeiten in Stresssituationen habe.
In meinen ersten zwei Kadertrainings habe ich enorm viel lernen können. Das Niveau ist sehr hoch: Die Pässe kommen genauer, die Bewegungsabläufe auf dem Feld sind automatisierter und alle sind voll und ganz bei der Sache. Wir bringen uns gegenseitig an unsere Grenzen und darüber hinaus. Der Wille als eine Einheit über sich hinauszuwachsen ist während dem ganzen Wochenende der rote Faden.
Das Konditionstraining war sehr eindrücklich. Wie oben erwähnt mache ich meine eigene Version davon, aber ich hatte noch nie ein dediziertes Training um meine Kondition aufzubauen. Besonders gefallen haben mir das 20 bzw. 40 Meter Sprinten mit Stoppuhr und die Übung in der wir acht Minuten lang, ohne Unterbruch und abwechselnd in schnellem Tempo und Vollgas, in der Halle gefahren sind.

Den Theorie-Teil am Abend war für mich beim ersten Kader-Training etwas zu abstrakt. Beim zweiten jedoch, konnte ich den einzelnen Positionen viel einfacher die Gesichter der einzelnen Spieler zuordnen.
Was das Spiel selbst betrifft, so hat mir das Kadertraining zu einem besseren Verständnis meiner Rolle auf dem Feld enorm geholfen. Die Fähigkeit unseres Coaches sich in uns einzelne Spieler hineinzuversetzen, während er das Gesamtbild auf dem Feld nie aus den Augen verliert, hat mich sehr beeindruckt. Noch nie zuvor habe ich mich so intensiv mit den Stärken und Schwächen meines Körpers befassen können und ich finde es extrem spannend.

Als ich am Montag ins Büro rolle, habe ich überall Muskelkater. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und dankbar für diese wertvolle Erfahrung. Obwohl der Muskelkater noch die nächsten zwei Tage andauern wird, erfüllt mich ein Gefühl von tiefer innerer Ausgeglichenheit. Bald holt mich der alltägliche Trott wieder ein. Doch in ruhigen Momenten denke ich wieder an das Knallen der Rugbystühle und kann mir dabei ein Lächeln nicht verkneifen.

Name: Silvana Hegglin

Unfall/ Krankheit: Amputationen

Im Rugby seit: 2015

Ich bin durch einen Zufall zum Rugby gestossen, als ich eine Berufliche Abklärung im SPZ machte. Meine Berufsberaterin kannte jemanden von der Ergotherapie, sie fragte mich, ob ich Lust auf ein Probetraining hätte. Ich dachte mir, dass es bestimmt  toll wäre diese Sportart auszuprobieren.

Eine Woche später war es dann so weit. Ich kam in die Turnhalle und traf Jeremy und Adi. Meine Berufsberaterin sagte den Beiden, sie sollen mir etwas über Rugby erklären. Adi äusserte daraufhin, ich soll gleich mal in einen Rugbystuhl sitzen und ausprobieren wie es sich anfühlt. Wir spielten ein paar Bälle. Sofort war ich begeistert von diesem Sport. Seit diesem Zeitpunk bin ich im Training regelmässig mit dabei. Anfänglich bin ich einmal die Woche ins Training gegangen, aber mittlerweile trainiere ich zweimal. Es wurde ein Hobby von mir, weil es ein toller Teamsport ist, man taktisch vorgeht und man sich auspowern kann. Im Team sind sehr tolle, offene und motivierte Menschen dabei, welche mich alle sehr herzlich aufgenommen haben. Ich freue mich immer sehr zum Training zu gehen, um neue und spannende Dinge zu lernen, mich im Spiel zu verbessern und Zeit mit dem Team zu verbringen. Im Dezember darf ich gemeinsam mit meinen Teamkollegen an der Schweizermeisterschaft in Nottwil teilnehmen. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung.


on 16 August 2015